Lösungen

Produkt

Ressourcen

Unternehmen

Wie umgehen mit langfristigen Versorgungsengpässen – Teil 2

17. Mai 2022

Industrie

Wir sind zurück, ein Jahr später, mit Teil 2 unserer Blog-Serie zum Thema langfristige Versorgungsengpässe und wir schauen, was ist gleich und was ist anders als letztes Jahr. Der Status Quo hat sich kaum verändert, die globalen Lieferketten ringen immer noch mit den Auswirkungen der Pandemie. Darüber hinaus werden sie nun durch den Russland-Ukraine-Konflikt belastet. Kann Technologie also wie wir es letztes Jahr argumentiert haben immer noch die nachhaltige Antwort auf langfristige Versorgungsengpässe sein?

blogartikel coverbild
blogartikel coverbild
blogartikel coverbild

In unserem ersten Artikel haben wir besonderes Augenmerk auf die letztjährige Versorgungslage mit elektronischen Komponenten gelegt, die sich in diesem Jahr zum Leidwesen vieler Unternehmen nicht verbessert hat. Sowohl Vertreter der Industrie als auch der Politik haben bereits 2021 vorausgesagt, dass die Versorgungsengpässe weit über die nächsten 12 Monate hinaus andauern würden. Mit dem Ziel hier gegenzusteuern, hat die Europäische Kommission in den vergangenen Monaten das Europäische Chip-Gesetz (Chip Act) ausgearbeitet, das nun vom Parlament ratifiziert werden soll.

Die Corona-Pandemie zählt immer noch zu den derzeit größten globalen Herausforderungen. Vor allem in China, wo verhängte “Null-Covid” Maßnahmen Großstädte, wie Shanghai, dazu zwingen, das öffentliche Leben zu beschränken. Zudem fordern der anhaltende Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Embargos gegen Russland einen hohen Tribut, was die ohnehin schon brisante Versorgungslage am Halbleitermarkt weiter verschärft. Schauen wir uns die Zusammenhänge und Auswirkungen an.

Chips: Ein politisches Geschäft

Bei der Chipherstellung handelt es sich um ein globales Geschäft, das auch als Dyopol bezeichnet werden kann. Der Wettstreit zwischen den USA und China um die Vormachtstellung in der Chipindustrie hat diese neben der Pandemie und der gestiegenen Nachfrage nach Unterhaltungselektronik in den letzten Jahren merklich geprägt. Vereinfacht gesagt bedeutet dies: was den Vereinigten Staaten fehlt, liegt in China und umgekehrt - man denke beispielsweise an die von China dominierte Förderung notwendiger Rohstoffe oder die von den USA beherrschte Produktion von Fertigungsmaterialien (Quelle: ICAS).

Da nun der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel kommt, werden globale Lieferketten noch stärker belastet. Unter anderem verkaufen die Vereinigten Staaten keine Halbleiter mehr an Russland, sodass sich das Land auf der Suche nach alternativen Beschaffungsquellen wohl an China wenden wird. Darüber hinaus wäre es möglich, dass das globale Produktionsvolumen von Halbleitern zurückginge, da wichtige Materialien wie Palladium, Nickel und Platin aus Russland und der Ukraine stammen.

Was aktuell fehlt

Aufgrund der genannten geopolitischen Spannungen und geltender COVID-Beschränkungen liegt es auf der Hand, dass etliche Lieferungen zur Zeit gar nicht oder nur mit signifikanter Verzögerung zugestellt werden. Der Export von Neon aus der Ukraine wurde schon auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und chinesische Containerhäfen sind durch die dortigen Abriegelungen maßlos überlastet. Wir fassen einmal die wichtigsten, schwer zu beschaffenden Materialien für die Chipherstellung für Sie zusammen. 

Russisches/Ukrainisches C4F6, Neon und Palladium

Bei C4F6 (Hexafluorbutadien) handelt es sich um eine Chemikalie, die bei Lithographieverfahren zur Chipherstellung verwendet wird. Der Hauptteil der globalen C4F6 - Produktion stammt aus Russland und wird von diversen US-Lieferanten gekauft und verarbeitet. Laut Techcet beläuft sich der US-Verbrauch von C4F6 auf insgesamt 8 Millionen Tonnen.

Obwohl Neon kein direkter Chip-Bestandteil ist, ist es für dessen Herstellung unabdingbar. Das Edelgas wird zur Erzeugung von tief-ultraviolettem (DUV) Licht benötigt, welches wiederum in Lasern zur Strukturierung von Halbleitern zum Einsatz kommt. Neon wird hauptsächlich mittels Linde-Verfahren in sogenannten Luftzerlegungsanlagen (LZAs) hergestellt. Sowohl der Bau als auch der Betrieb solcher Anlagen ist mit enormen Kosten verbunden, wodurch die Förderung von Neon nur rentabel ist, wenn man sich Skaleneffekte zu Nutze macht. Ukrainische Unternehmen, wie Ingas und Cryoin haben in der Vergangenheit von Synergien in Verbindung mit der Herstellung von Stahl profitiert, weswegen laut einiger Hochrechnungen mindestens die Hälfte der globalen Neon-Produktion aus der Ukraine stammt. (Quelle: R&D World)

Russland deckt darüber hinaus etwa 33% des weltweiten Palladiumbedarfs. Das Platinmetall kommt unter anderem in der Sensorik und fortschrittlichen Speichermedien (MRAMs) vor, wobei der ursprüngliche Anwendungsbereich bei Katalysatoren von KFZs liegt. (Quelle: Techcet)

Chinesisches Silizium…und mehr

China ist unter anderem Herkunftsland vieler wichtiger Mineralien, welche zur Halbleiterherstellung benötigt werden. Darunter fallen auch Seltene Erden (REEs), Gallium, Germanium, Arsen und Kupfer. So entfallen auf China ebenfalls 79% der weltweiten Siliziumproduktion. In seiner hochreinen Form wird Polisilizium zu Siliziumblöcken geformt und anschließend in Wafer geschnitten, die danach weiterverarbeitet werden. (Quelle: BENS)

Neon wird zwar auch in China hergestellt, jedoch reichen die derzeitigen Produktionskapazitäten bei weitem nicht aus, um ukrainische und russische Ausfälle zu kompensieren. Konsequenterweise unterliegt Neon seit Ausbruch des Krieges großen Preisschwankungen: Im Februar 2022 hat sich der Preis für das Edelgas in China im Vergleich zum Oktober des vorangegangen Jahres vervierfacht. (Quelle: Reuters)

Wie kommt die Branche damit zurecht?

Während große Chiphersteller wie Intel, Samsung und TSMC dank ihrer umfangreichen Lagerbestände nicht unmittelbar von der derzeitigen Situation betroffen sind, leiden kleine und mittelgroße Hersteller merklich unter Lieferengpässen von Roh- und Produktionsmaterialien.

Die Suche nach Lösungen für die dauernden Unterbrechungen in der Lieferkette wird somit zum wichtigsten Element eines erfolgreichen Supply Chain Managements. Einen möglichen Lösungsansatz bietet die “Regionalisierung” der Lieferkette, getreu dem Motto: “Wenn der Welthandel ausfällt, dann werden wir besser autark”. Leider ist dies leichter gesagt als getan und obwohl die Vereinigten Staaten, China und Europa Milliarden-Beträge in den Ausbau nationaler Produktionsstätten investieren, bleibt am Ende die Gewissheit, dass der Umschwung wohl nicht über Nacht passieren wird und erhebliche Veränderungen der globalisierten Lieferketten nach sich ziehen würde.

Die Rolle der Technologie

In unserem letzten Artikel haben wir betont, wie wichtig es für Unternehmen ist, für flexible und resiliente Prozesse zu sorgen, um für unvorhergesehene Herausforderungen gewappnet zu sein. Daran halten Industrie-Experten und wir nach wie vor fest: Das Supply-Chain-Department von Jabil hat beispielsweise festgestellt, dass bei der Neudefinition von Anforderungsprofilen an die Lieferkette vor allem “die Fähigkeit, schnell auf Geschäfts- und Lieferketten-Unterbrechungen zu reagieren, sowie die daraus resultierende Risikominderung” als Schlüsselfaktoren zu betrachten sind.

Wir bei Luminovo können Ihnen dabei helfen, diesen Ratschlag mit unserer Software-Suite der nächsten Generation für die Elektronik-Wertschöpfungskette in die Tat umzusetzen. Kontaktieren Sie uns oder buchen Sie eine Demo bei uns.

Interesse? Sprechen Sie mit uns.

Stellen Sie uns Ihre Fragen während einer persönlichen Live-Demo der Software.
Oder sehen Sie sich vorher ein 5-minütiges Video zu den wichtigsten Funktionen an.

Interesse? Sprechen Sie mit uns.

Stellen Sie uns Ihre Fragen während einer persönlichen Live-Demo der Software.
Oder sehen Sie sich vorher ein 5-minütiges Video zu den wichtigsten Funktionen an.

Interesse? Sprechen Sie mit uns.

Stellen Sie uns Ihre Fragen während einer persönlichen Live-Demo der Software.
Oder sehen Sie sich vorher ein 5-minütiges Video zu den wichtigsten Funktionen an.

Current content